IKEA auf Nepali

Anita braucht einen Schreibtisch für das Swastha Chulo Büro. Der Weg nach Eching ist uns zu weit, also gehen wir zum Schreiner um die Ecke, einem der vielen garagenartigen Läden am Straßenrand. Er zieht ein Maßband und einen Zettel aus der Tasche. Wie tief soll der Tisch sein? 2 Fuß. Wie breit? 3 Fuß. Schubladen? Eine Säule rechts. Dann erzeugt er eine künstlerisch fragwürdige Skizze eines Büromöbels, die allerhöchste Ansprüche an die Vorstellungskraft stellt. Ich bin wirklich gespannt, wie das Teil aussehen wird. Am Ende noch die übliche Preisverhandlung. Die Einigung erfolgt bei 5500 Rupien, d.h. ungefähr 50€. Da kann IKEA aber einpacken. Habe ich mal über Einkaufen hier gelästert? Eine Viertelstunde für einen ganzen Schreibtisch kann sich doch wirklich sehen lassen.

Am Nachmittag treffen wir uns dann mit Prof. Shrestha von der Kathmandu University. Er soll für uns eine Effizienzmessung, einen so genannten Water Boiling Test mit einem Chulo durchführen. Das ist Voraussetzung für das Klimaschutzprojekt. Nebenbei schlägt er auch vor, bei dieser Gelegenheit den  Ofen in Catia V5 nachzukonstruieren. Bei mir sausen die deja vus in Scharen durch den Kopf. Hallo BMWler: Chulos im Virtuellen Fahrzeug! Wir könnten den Chulo jetzt auch in die Stückliste integrieren und als SA für Südostasien anbieten.

Gegen Ende der Woche sollen wir von der Kathmandu University einen Kostenvoranschlag bekommen. Prof. Shrestha ist äußerst interessiert an der Zusammenarbeit. Sein Institut ist schon seit Jahren im Ofen-Business und sie haben sich schon mit vielen Weiterentwicklungen und Alternativen beschäftigt. Das wäre auch für uns interessant. Wenn genügend Zeit bleibt, schaue ich mir das Institut nochmal in Ruhe an. Ich bin eingeladen, den täglichen Studentenbus zu nutzen, der jeden Morgen um 8 Uhr vom Chabahil (gleich hier um die Ecke) nach Dhulikhel fährt.

Bel Bahadur hat jetzt angefangen, jeden Ofen, den er baut, zusammen mit dem Besitzer und dem neuen ID Badge zu fotografieren. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Ich habe Euch ein paar Beispiele hochgeladen. Außerdem produziert er im schwer erreichbaren Bulung jetzt gemauerte Outlets, Dadurch spart er den aufwendigen und verlustreichen Transport der Töpferwaren ein.

Die nächsten der Tage werde ich im Feld in Nuwakot sein um mit Domi und Tobi zu prüfen, ob die Nachbesserungen, die wir von den Ofenbauern dort gefordert haben, auch wirklich ordentlich ausgeführt worden sind. Wenn ja, können die Öfen dann endlich abgerechnet werden und der vorläufige Baustopp (Warnschuss) wieder aufgehoben werden. Drückt uns die Daumen.

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