Kyabgön Phakchok Rinpoche

Boudha, der Stadtteil von Kathmandu, in dem wir wohnen, ist das Zentrum des tibetischen Buddhismus in Nepal. Im Umkreis von wenigen Kilometern um die große Stupa findet man über 30 tibetische Klöster, die fast alle einen regen Lehrbetrieb haben und öffentliche Veranstaltungen anbieten. So gesehen war es schon längst überfällig, dass Katharina und ich mal an einem sogenannten Teaching teilnehmen. Auf Anregung von Andrea fanden wir uns in der „White Gompa“ ein, um dem bekannten Rinpoche (buddhistischer Lehrer) Kyabgön Phakchok zu lauschen.

Nun ist ja bekannt, dass die buddhistische Lehre ein äußerst umfangreiches und kompliziertes logisches Gebilde darstellt und es viele Jahre intensiven Studiums braucht, um einigermaßen damit klarzukommen. Es wäre also nicht erstaunlich gewesen, wenn 90 anstrengende Minuten Auseinandersetzung mit komplexen philosophischen Sachverhalten auf uns gewartet hätten. Das ernsthaft, konzentriert und sachkundig wirkende Publikum nährte bis zum Erscheinen des Rinpoche diese Befürchtung. Während ich mich noch bemühte, auf dem Boden mit Hilfe der Wand als Stütze eine Position zu finden, von der ich hoffte, 90 Minuten einigermaßen schmerzfrei zu überstehen, hatten alle anderen bereits vorbildliche Meditationshaltung angenommen und den wissenden Blick nach innen gerichtet.

Dann kam Unruhe auf: der Meister nahte. Alle sprangen auf, legten die Hände aneinander und senkten ehrfurchts- und erwartungsvoll das Haupt. Ein fröhlich lächelnder, etwas übergewichtiger Mittdreißiger in roter Robe spazierte durch die Reihen nach vorne, gab dem einen oder anderen die Hand oder einen freundschaftliche Klaps und benötigte dann erst mal 5 Minuten, um sich am Rednersitz einzurichten, Tee und Wasser zu positionieren, sich ausgiebig zu räuspern und dann zu bemerken, dass er eigentlich ziemlich müde sei wegen des langen Anreisetags, den er hinter sich hätte.

Das hinderte ihn aber nicht daran, sofort mit Schwung ins Thema einzusteigen: Die wichtigsten Elemente des Dharma. Das klingt jetzt schon wieder ziemlich theoretisch und lässt die oben erwähnten Befürchtungen keimen. Ich erinnerte mich daran, dass buddhistisches Teaching oft auch praxisnahe Lebenshilfe bedeuten kann. Kyabgön Phakchok Rinpoche sieht das offensichtlich genauso. Mühelos schlug er die weite Brücke von buddhistischen Lehrinhalten zu alltäglichen Lebenssituationen. Humorvoll streute er kleine Geschichten aus dem Alltag ein. Da mussten dann auch mal sein Übergewicht oder seine Alpträume herhalten, um uns mit einem Augenzwinkern näher zu bringen, worauf es ihm ankommt. Eins wurde in jedem Fall klar: Verkniffenen Perfektionismus und übereifrige Andächtigkeit hält er nicht für die Wege, die zur Erleuchtung führen.

Ich will nicht sagen, dass ich meine schmerzenden Beine während seines kurzweiligen Vortrags vergessen hätte, aber sie waren doch schon um einiges leichter zu ertragen als erwartet. Am Ende stand die übliche Fragerunde. So wie überall gibt es auch hier einige, die sich durch sehr elaborierte Fragen hervortun wollen. Nach einem besonders lang und kompliziert formulierten Beitrag nahm sich der Meister eine Minute Bedenkzeit, dann sagte er: „Was war jetzt die Frage?“ Yeah!

Wer mehr über Kyabgön Phakchok Rinpoche erfahren möchte: Er hat einen Auftritt im Web und in Facebook. Ja, buddhistische Mönche sind alles andere als rückständig. Er gehört übrigens einem Zweig an, in dem Mönche auch heiraten und Familie haben können. Er hat Frau und Kinder.

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Eine Antwort auf Kyabgön Phakchok Rinpoche

  1. dirrel sagt:

    Hi, wie ist eigentlich der Erdrutsch in Sindhupalchok ausgegangen? Stehen die Öfen noch?