Abschieds-Runden in Nepal

Die letzte Woche in Nepal ist erfahrungsgemäß sehr vollgepackt, weil dann doch der Eine oder Andere realisiert, dass meine Zeit hier definitiv zu Ende geht für dieses Jahr.

Vergangenen Freitag sollten Anita und ich ja das MOU im AEPC Büro unterzeichnen und saßen schon im Taxi, als der Anruf kam. „Der Chef ist nicht im Büro und wir müssen noch einige „kleine „ Änderungen machen, bitte kommen sie heute nicht.“ hieß es. Der erstaunte Taxifahrer mußte umdrehen und verstand die Welt nicht mehr. (Wie auch nicht)

Am Samstag war ich noch Mal im SKM Hospital und habe „alte Freunde“ getroffen. Nachmittags gab es ein Meeting mit der Besatzung des Health Postes aus Dhadagoun. Sie kamen mit Moped und Bus angereist.

Abends Dinner in Kalanki bei Rabina und ihrer Familie. Wir sprechen mit Nilam über das Ofenprojekt und er findet, das gut situierte Nepalesen doch auch mehr eingebunden werden sollten, und Spenden an die örtliche Organisation geben könnten. Er will Geschäftsfreunde motivieren  — das kann nur gut sein.

Sonntag : Treffen der Rotarier des New Road City Clubs. Ich bin schon lange befreundet und honorable Member. Wir sprechen viel und legen auch gleich einen Besuch im Dorf Lele fest, wo Rotary Club Mönchen Gladbach ein Projekt unterstützt.

Anita ruft an dass sie nach der Routine Untersuchung ihrer Schwangerschaft für 24 Std im Krankenhaus bleiben muss.  (Es geht ihr gut)

Montag: Am Nachmittag wird Anita entlassen und darf wieder nach Hause. Was sie aus dem Krankenhaus berichtet ist unvorstellbar für deutsche Verhältnisse. Wenn man  nicht selbst etwas Organisationstalent aufbringt und 100 Mal nachfragt, könnte man glatt „vergessen“ werden.

Ich nutze die Zeit das Shanti Projekt zu besuchen. Diese deutsche Einrichtung kenne ich seit mehr als 20 Jahren. Navin, der damals noch ein kleiner Junge war (heute Chef der Pharmacy), begrüßt mich gleich und nach einem Kaffee führt er mich im Zentrum herum. Alle Werkstätten und die Klinik sind geöffnet, aber es ist sehr ruhig und ich sehe vergleichsweise wenig Patienten/Bewohner.

Am Nachmittag Termin mit James, dem Kontaktmann zum Beggar`s village, wohin wir 60 Öfen (Rocket stoves) geliefert haben. Die Bettler Frauen auf der Straße haben mir erzählt dass sie diese Öfen nur zum Tee kochen nutzen, aber nicht für die Hauptmahlzeiten. James berichtet von dem Problem, dass die Öfen für den Raum zu wenig Hitze abgeben, und die Leute , die alle aus dem klimatisch heißen Indien stammen, frieren. Das sei der Grund dass sie , trotz erhöhtem Holzverbrauch weiterhin das Essen auf dem offenen Feuer kochen. James läßt uns aber nicht in das Areal, um alles selbst in Augenschein zu nehmen. Er verweigert und strikt den Zutritt. Erstaunt müssen wir das Meeting (auf offener Straße) abbrechen. Das ist unbefriedigend.

Dienstag: Ausflug nach Lele,1,5 Std Autofahrt von KTM aus in südliche Richtung. Treffen mit den Rotarier um 7 Uhr – Abfahrt vom Treffpunkt: 8:15 Uhr. Trotzdem wurde es ein wunderschöner Tag und die Frauen des Dorfes zeigten stolz ihre Tomaten Gewächshäuser, die sie über Mikro Kredite angeschafft haben. Gerade wird die zweite Ernte in diesem Jahr  erfolgreich abgeschlossen. Es werden im Gespräch auch noch andere Projekte diskutiert und angeschoben, und zum Abschluss natürlich Daal Bhat gegessen.

Anita ist wieder im Büro und sie wohnt jetzt vorübergehend mit Sohn bei ihren Eltern. (neben dem Büro) Es geht ihr gut und sie legt sofort wieder richtig los.  SNC Meeting muß vorbereitet werden.

Mittwoch:  Normale Büroarbeit am Vormittag, behindert durch Beton Misch Arbeiten für die Decke des dritten Stockwerkes von Anitas Elternhaus. Die Baustelle ist direkt vor der Tür des Büros und eigentlich dürften wir nur mit Schutzhelm ins Büro kommen. Aber in Nepal sieht man das alles etwas „gelockert“. Da liegen schon Mal Bau Eisenstangen direkt vor der Eingangstür und die kleine Straße wird kurzerhand blockiert durch die Riesen Mischmaschine“ Typ Putin“ aus Rußland. Baumaterial, was nicht in die Baustelle passt wird denn auch gleich auf der Straße abgeladen und immer muß ein Mitglied der Familie auf der Hut sein und Zementsäcke zählen, Füllzustand der Wagenladungen (Sand und Steine ) beurteilen und sofort protestieren wenn etwas unkorrekt erscheint, und das ist täglich der Fall. So haben wir vor dem Büro immer wieder entsprechende meist lautstarke Diskussionen mitzuerleben. Geschäfte sind immer mit Tricks verbunden und niemand traut dem Anderen.

Heute ist das SNC Board Meeting angesetzt. Die kurzfristigen Terminabsprachen sind in Nepal üblich, klappen aber nicht immer. Obwohl mit e.Mail und SMS an den Termin erinnert wurde, kamen dann sehr kurz vor dem Treffen die Absagen. Anita und ich waren schon im Veranstaltungslokal, und mußten das Treffen mangels Teilnehmer absagen. Das war schade, denn wir hatten doch einiges zu berichten über das neuen Projektgebiet Gulmi, usw.

 

Donnerstag: Im Büro haben wir uns vorgenommen über die Buchhaltung zu sprechen. Dieses Jahr hat der Audit Prozess sehr lange gedauert, weil der Auditor mit Anita ein gänzlich anderes System der Ablage der Rechnungen eingerichtet hat.  Das hat, wie alles Vor- und Nachteile,  aber scheint aus seiner Sicht der Dinge das sinnvollste und übersichtlichste zu sein. Nach wie vor kämpft Anita (und alle Projekte mit internationaler Beteiligung) mit den zwei unterschiedlichen Kalendern. Der in Nepal üblich BS Kalender zählt schon das Jahr 2071 und Neujahr ist Mitte April, das Buchführungs Jahr geht aber von Mitte Juli bis Mitte Juli des kommenden Jahres und Monatsabschlüssen sind immer ca. am 15. unseres Monates zu dokumentieren. In Deutschland braucht man aber monatliche Finanzberichte am Ende des englischen Monates und Jahresabschluss am 31.12. jeden Jahres. So ist viel Organisationstalent gefordert und doppelte Arbeiten lassen sich nicht vermeiden. Aber Anita hofft dass mit dem neu eingeführten Ablagesystem die nächste Buchprüfung entsprechend reibungslos abläuft.

Heute kommt auch noch Ravi von der Nepalhilfe Aachen, um in einem Gespräch Dinge im Zusammenhang mit dem Schul -Ofen in Doti zu klären. Nachdem er das Büro endlich gefunden hatte, verlief das Gespräch reibungslos.

 

Freitag: Wir haben ein Meeting mit unserem Monitoring Team Tobi und Domi, in meinem schönen Zimmer in Boudha. Mit Kaffee und Zimtschnecken lässt sich so etwas gut aushalten.  Die Themen drehen sich viel um die Planung für das kommende Jahr in den Gebieten des CO2 Projektes und auch in Gulmi. Es kommt sehr viel Arbeit auf die Ofenbauer, aber auch das Monitoring Team zu.  Aber alle sind zuversichtlich das zu schaffen und wir haben ein gutes Gespräch mit konstruktiven Vorschlägen.

Am Nachmittag kommt Kiran Lama und bringt seine ersten Fertigmeldungen für Dezember. Aus dem Gebiet Ramechhap meldet er 100 Öfen fertig und weitere sind bereits gebaut aber noch nicht dokumentiert. Na das ist doch ein Anfang – nach all den Unruhen um die Wahl wird nun wirklich fleißig gearbeitet.

Boudha Stupa, frisch gestrichen

Boudha Stupa,frisch gestrichen

 

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Ein Kommentar zu Abschieds-Runden in Nepal

  1. dirrel sagt:

    Hallo Christa, vielen Dank für deine interessanten Bericht aus Nepal und komme gut wieder nach D zurück. Wenigstens bist du dem Sturmtief XAVER erfolgreich entkommen.

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