Einen Tag vor der Wahl

Hier in Nepal dreht sich alles nur noch um die Parlamentswahl, und inzwischen haben die „Wahlfeiertage“ begonnen. Diese arbeitsfreien Tage (4) wurden ausgerufen, damit jeder Bürger die Möglichkeit hat in seinen Heimatort zur Stimmabgabe zu reisen. Die meisten Menschen in Kathmandu sind in ihren Herkunftsdörfern angemeldet, weil das verschiedene Vorteile hat. Also müssen sie die Reise unternehmen.

Nun haben aber ja die Wahlgegner den Transportstreik ausgerufen und sie bekräftigen das immer wieder mit Brandanschlägen und Benzinbomben, die in fahrende Busse geworfen werden. Im SKMH (Hospital für plastische Chirurgie) wird gerade ein junger Mann behandelt, der Opfer eines solchen Angriffes wurde und schwere Verbrennungen im Gesicht und an beiden Händen erlitt. Man erwartet dass weitere Verletzte aus entlegenen Gebieten hier her verlegt werden.

Die Regierung ist aufgefordert dafür zu sorgen dass Straßen sicher befahrbar sind und so werden Konvois gebildet, von überfüllten Reisebussen und LKWs die von Soldaten und bewaffneter Polizei eskortiert werden. Diese fahren in rasendem Tempo dicht hintereinander her und es ist unbedingt ratsam sofort anzuhalten wenn einem so ein Konvoi entgegen kommt.

Ein neues Problem verschärft sich mit jedem Tag an dem der Transportstreik anhält. Die Knappheit an Lebensmitteln und besonders an Frischgemüse nimmt zu. Im Kathmandutal selbst wird davon nicht ausreichend produziert, und so hängt der Gemüsegroßmarkt an einer einzigen Fernstraße, die ins Tal hineinführt, wie an einer Nabenschnur. Deshalb ist der Pass bei Thankot die meist überwachte und gesicherte Stelle, denn ein Angriff an diesem Punkt mit Straßenblockade wäre ein Desaster für das Kathmandutal. Die Menschen merken die Lebensmittelverknappung ganz einfach an der rasanten Preisentwicklung: 1 Kg Blumenkohl kostete vor einer Woche noch 75 Rs und jetzt muß man 130 Rs zahlen, bei Mandarinen stieg der Preis von 80 auf 140 Rs.

Vermutlich von Unruhestiftern, zusammenhängend mit der Wahl, wurde die Falschmeldung an die Presse gegeben, dass eine massive Salzverknappung aufkommt. Salz muß aus entlegenen Gebieten Nepals und Indiens eingeführt werden. Es kam zu Paniken bei Hamsterkäufen und nun sind die Regale in allen Läden tatsächlich leer. – Was hilft es da dass die Fernsehsender über ausreichende Salzvorräte und Abfüllaktivitäten berichten?

Morgen wird nun also gewählt, inzwischen gibt es kaum noch Fahrzeuge auf den Straßen. Motorräder scheinen vom Streik weniger berührt, und so kann man interessante Varianten von Moped Besatzungen und –Ladungen beobachten.

Bis gestern war es den Parteien erlaubt Werbeveranstaltungen durchzuführen, und große Massenversammlungen zu organisieren. Für die Teilnehmer, die mit Motorrädern anreisen gab es von den jeweiligen Parteien einen Tankgutschein für 5 Ltr Treibstoff, Busfahrten wurden von den Parteien organisiert und kostenlos angeboten. Natürlich wird niemand angelockt von langweiligen Reden, weshalb immer ein Programm mit Tanzvorführungen und beliebten Sängern die auftreten, dazu gehört. Selbstverständlich muß es auch etwas zu essen geben, mindestens Tee und Kekse, bessere einen Teller Reis und Gemüse.

Wahlprognosen gibt es so gut wie keine und fragt man die Menschen, was sie denn über den Ausgang der Wahl denken, oder welche Partei sie bevorzugen werden, kommt meist ein Schulter-Zucken und die Bemerkung dass alle Parteien gleich (schlecht) seien. In meiner Gastfamilie gab es eine spannenden Vorschlag zum Thema Stimmabgabe. Es kam die Idee auf, dass man sich in der Familie aufteilen sollte, und jedes Familienmitglied sollte doch eine andere Partei wählen, damit es gerecht verteilt sei.

Warten wie es ab.

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