Auf dem Weg nach Banjhakateri

Wie ihr feststellen konntet, hat uns der Surf-Stick nicht sehr viel geholfen. Während unseres Aufenthalts ist es mir dreimal gelungen, mich mit dem Stick ins Telefonnetz einzuwählen. Daraufhin konnte ich gerade mal einen Blick ins Email-Postfach werfen, dann war die Verbindung schon wieder abgebrochen oder wurde so langsam, dass wir jedes übertragene Bit mit einer Tasse Tee feiern konnten. An Blog-Einträge ist unter solchen Umständen nicht zu denken. Nach drei Tagen ging dann auch die Batterie meines kleinen Laptop-Freundes in die Knie. Dann war ganz Schluss mit www. Eigentlich gibt es in Banjhakateri schon Strom. Leider war aber während unseres Aufentahlts das kleine Wasserkraftwerk gerade nicht in Stimmung.

Also gibt es eine Menge an Bericht nachzuholen. Teil 1:

Der erste Tag der Anreise brachte uns lockere 13 Stunden Fahrt nach denen wir Tamghas, die Hauptstadt des Distrikts Gulmi erreichten und dort Vishnu Bhusal, den Paramedic, der den Health Post in Banjhakateri leitet, kennenlernten.

Tags darauf nutzen wir den Vormittag um dem Eisenhändler, dem DDC und der lokalen Ofenbau-Organisation REDA einen Besuch abzustatten. Die Suche nach einer Töpferei blieb leider erfolglos. Anscheinend hat das in dieser Gegend keine Tradition.

Der Eisenhändler residiert in einer der üblichen garagenartigen Läden und lässt 3 jugendliche Gehilfen für sich herumspringen. Mit erstaunlicher Geschicklichkeit bauen sie für uns den Prototypen eines Gates zusammen. Man sieht, dass sie das nicht zum ersten Mal machen. Einige Öfen sind offensichtlich in Gulmi schon gebaut worden. Er will 390 Rupien für den Satz (Gate und 6 Stangen haben). Das wird ein hartes Stück Arbeit. Etwa eine Stunde brauchen wir, bis wir ihn über Änderungen der Gate-Konstruktion und des Materials auf einem Eisenpreis von 156 Rupien haben, dazu der Arbeitslohn, der aber nicht über 30 Rupien liegen sollte. Schon besser!

Der DDC-Chef, der sogenannte Local Development Officer, heißt uns herzlich willkommen in seinem Distrikt. Er erwähnt das ambitionierte nationale Programm, das vorsieht, dass Nepal bis zum Jahre 2016 rauchfrei sein soll und bittet uns, so viele Öfen wie möglich in Gulmi zu bauen. Auch er hat vermutlich keine Ahnung, wie Gulmi die von der Zentralregierung vorgegebenen Ziele erreichen soll und freut sich über jede Hilfe.

REDA steht für Rural Energy Development Agency (oder so ähnlich). Der Officer dort, Gyan Bahadur Mahatara, ist ein Freund von Vishnu und wie wir der Meinung dass es in Gulmi viel zu tun gibt und dass wir zusammenarbeiten sollten. Natürlich ist die finanzielle Unterstützung des Ofenbaus ein wesentliches Thema. REDA hält es so, dass die Organisation die Materialien stellt und die Hausbesitzer den Lohn des Ofenbauers bezahlen. Gyan Bahadur glaubt, dass sich das mit unserer Politik, alles bis auf 100 Rupien zu bezahlen, vertragen wird.

Und woher bekommt er seine Outlets? Er bestätigt: Es gibt tatsächlich keine Töpferei hier. Daher ist man auf die Idee gekommen, gebrauchte Farbdosen zu verwenden. Eine Lösung, die in Hinblick auf Umwelt (Recycling) und Preis nahezu genial ist. Allerdings, das gibt er zu, enden die Dosen als offenes Loch in der Wand und bei ungünstigem Wind kann das schon mal den Rauchabzug behindern. An dieser Stelle kommt der mit uns reisende Ingenieur ins Spiel. Er soll eigentlich die Bauzeichnung für den erweiterten Health Post in Banjhakateri anfertigen, fühlt sich aber jetzt herausgefordert. Er schlägt eine Lösung aus zwei aneinander genieteten Dosen vor, die in etwa ein T ergeben und somit einen Schutz des offenen Loches gegen einströmenden Wind. Wir wollen das bei Rückkehr nach Kathmandu mit unseren erfahrenen Ofenbauern beratschlagen. Hat noch jemand der mitlesenden Ingenieure und Ofensetzer eine gute Idee?

Der Nachmittag bringt uns von Tamghas nach Banjhakateri, eine Strecke von weniger als 50 km, für die wir fast 4 Stunden brauchen. Hier ist unser Fahrer richtig gefordert, der Allrad-Antrieb kommt endlich mal zum Einsatz und unsere Bandscheiben geben ihr Bestes. Vishnu, der in Banjhakateri aufgewachsen ist, ist eingefallen, dass es auf dem Weg einen Töpfer gibt. Wir können ihn tatsächlich ausfindig machen. Anscheinend ist er aber nur sporadisch tätig und zeigt kein wirkliches Interesse. Eher versucht er, den drohenden Auftrag durch absurde Preisforderungen abzuwehren. Das hat keinen Sinn.

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Eine Antwort auf Auf dem Weg nach Banjhakateri

  1. dirrel sagt:

    Super Bericht. Wenn die Blechdosen eine ähnliche Weißblech-Mischung wie bei uns haben, sind diese nicht besonders hitzebeständig. Vor ca. 30 Jahren hatte ich damit mal ein Auspuffloch „geflickt“ und auch ordentlich angeschweißt. So ungefähr 30km hat das auch gehalten. Dann war das Blech durchgebrannt. Ein ca. 2mm dickes normales Blech hielt dann länger als der bzw. die Reste des Auspuffes.
    Ein geschweißte T-Stück aus normalen dickeren Blech wäre vom Prinzip schon nicht zu verachten und deutlich haltbarer als Konservendosen (Lackreste sind da hoffentlich nicht mehr drin oder?).
    Oder ist am Rauchabzug keine so hohe Temperatur mehr? Mein Großvater hat früher seinen Stahlzimmerofen so eingeheizt, dass das Ofenrohr glühte. Er war Schlosser und vermisste im Alter immer etwas den Schmiedeofen.
    Euch noch viel Spaß und immer gutes WLAN.