Im Swasta Chulo Office

Unsere nepalische Partner Organisation  Swasta Chulo, das heißt „Gesunder Ofen“ übertragen gesundes Kochen, wird geleitet von Anita Badal.  Anitas Arbeitsplatz ist das Swasta Chulo Office.

Man findet das Büro in der Nähe des Pashupatinath Tempel , eines der heiligsten Plätzte in Kathmandu. Solch eine Beschreibung ist wichtig, denn es gibt wohl Stadtteilbezeichnungen aber nicht wirklich Straßennamen. Und wenn welche vorhanden sind kann unsereins als Ausländer die Devanagi Schrift ja sowieso nicht lesen. Also aus dem Bus oder Tempo aussteigen am Jaya Bageshwori Tempel gegenüber des Pashupatinath Geländes, in die kleine Seitenstraße rein und gleich wieder rechts, das dritte Haus!  Aber oh je, alles sieht hier ganz anders aus als im vergangenen Jahr, wo ist denn das schwarze Tor welches ich mir immer als Orientierung gemerkt hatte? Das Haus von Anitas Eltern ist ja auch gar nicht mehr da. Stattdessen steht da nun eine Großbaustelle für ein mind. drei – bis vierstöckiges Wohnhaus. Da hilft nur Rufen und lautes Klopfen an irgend ein Tor. Es klappt Anitas Mutter steckt den Kopf heraus und auch Anita ist sofort da.

Die Familie ist in das Nebenhaus umgezogen und auch das Swasta Chulo Büro. Eine kleine Kammer, die noch unterteilt ist mit einer einfachen Bretterwand, muss für die Übergangszeit reichen.  Wenn man es weiß findet man sogar unser Hinweisschild „Swasta Chulo Office“. Es gibt einen Schreibtisch, einen Schrank und den Tisch für Drucker und Laminier Gerät. Zwei Bambusstühle für Besucher passen auch noch gerade rein. Direkt vor der Tür ist die Großbaustelle mit Materiallager und emsigen Bauhelferinnen.

Anita braucht entsprechende Geduld und Nerven um in Krach, Unruhe und Staub zu arbeiten. Wir treffen uns jeden Morgen zwischen 9 und 10 Uhr (nepalische Bürozeit) Es geht los mit dem checken der Mails.  Bange Frage: haben wir Strom oder nicht?

Heute haben wir zwei erfahrene Ofenbauer zum Gespräch bestellt.  Sie kommen auch , mit zwei Stunden Verspätung, total ausgehungert an. Unterwegs war ein schwerer Verkehrsunfall und die Straße mußte lange gesperrt werden.  Nach kurzem Bericht über das erlebte, geht das Gespräch um die Öfen im CO2 Gebiet. Die Ofenbauer werden bis zum Jahresende noch einmal richtig konzentriert arbeiten , um eine möglichst große Zahl von Haushalten mit einem rauchfreien Küchenofen zu versorgen. Die Ofensteine sind zu Tausenden bereits geformt und trocknen gerade. Ein erfahrener Ofenbauer kann, wenn alles Materien bereit liegt und er einen Helfer zur Seite hat, bis zu fünf Öfen täglich aufstellen. ( Die weniger erfahrenen schaffen 2-3 Öfen pro Tag.)   Das Gespräch dreht sich weiter um die Behinderungen der Arbeit durch den Wahlkampf in Nepal. Besonders auf dem Lande werden die Menschen zu Wahlkampfveranstaltungen gelockt mit Geld und auch mit der Ausgabe von einer Reismahlzeit. Es wird Transport angeboten und alle möglichen verlockenden (?) Geschenken wie Fähnchen, T Shirts und Mützen, natürlich jeweils mit dem entsprechenden Emblem der Partei.  Wie man sich ausmalen kann entstehen da sehr merkwürdige Kombinationen, wenn jemand, wie es häufig vorkommt, zu mehreren Veranstaltungen geht.  ( T-Shirt von den Kommunisten ,Hut von den Demokraten und Fähnchen von der örtlichen Bauernpartei, Auswahl gibt es genug) Wir motivieren die Ofenbauer doch nicht ihren Tagesverdienst für ein Fähnchen aufs Spiel zu setzen.

Nun muß Anita zwischendurch noch schnell die Flüge für Afrika bestätigen und die Buchung fest machen, das geht per Telefon und ist eine lange Diskussion. Man redet erst mal viel und am Ende sollte dann alles klar sein, oder doch nicht, besser noch Mal wiederholen lassen die Abmachung – ja die Tickets sind bestätigt!

Jetzt folgt die Abrechnung der Reise nach Gulmi, mit dem abgebrochenen Trainingsprogramm. Der  Trainer muß alle Rechnungen/Quittungen zusammenheften und abgeben, nur dann werden sie ihm erstattet. Obwohl das eingeübte Praxis ist mss Anita wieder und wieder ausführlich erklären, wie diese Arbeit gemacht werden soll. Es dauert und nach zwei Stunden ist alles geklärt.

Der Holz-Mann, wie Anita ihn nennt, kommt. Dieser Tischler stellt die Holzformen für die Lehmsteine her und er hat wieder einen großen Auftrag von Anita bekommen für die nächsten Trainings werden jeweils 20 Sets  Formen gebraucht, das geht nicht ohne Vorschuss, weil der Mann kein Kapital hat das Material vorzufinanzieren. Also wird ein Cheque geschrieben, der einfach Handwerker ist nicht glücklich, erklärt sich aber doch bereit selbst zur Bank zu gehen um den „Zettel“ in Bargeld zu tauschen.

Anruf bei AEPC (Alternativ Energie Promotion Center) um nach unserem Vertrag für das Projekt in Gulmi zu fragen. Der zuständige Beamte ist gerade im Meeting, versuchen wir es später noch Mal.

Die e mails werden nun endlich angeguckt, einiges ist schnell erledigt für andere Anfragen müssen ein paar Akten gewälzt werden, um die Antwort  schreiben zu können.

Pieep, pieep – in Deutschland ist die Zeit fast 5 Stunden zurück, und nun sind Frank und Katharina online, wir sprechen über Skype. Mitten in der Baustelle mit Head Set auf gibt es eine Verbindung nach München.

Jetzt ist Tea time. Anitas Mutter versorgt und mit dem berühmten nepal.  Masala Tea. Süß und gewürzig  muss er sein, mit Milch als Grundlage und richtig durchgekocht, das kann gar nichts passieren.

Telefon klingelt schon wieder, aha der Vertreter der Nepalhilfe Aachen ist am Tempel ausgestiegen und muß von der Hauptstraße abgeholt werden. Das kann ich machen, denn so viele Weißnasen laufen ja nicht herum. Wir finden uns gleich und sitzen vor dem Büro im Baumaterial weil es dort noch ein paar Sonnenstrahlen gibt.  Ralf Pütz berichtet über seine Reise nach Doti und die Aktivitäten der Nepalhilfe dort. Der Groß Ofen der dort gebaut wurde fand bei den Benutzern keinen Anklang und wir vermitteln örtliche Ofenbauer, nach dem Rechten zu sehen.

Die Sonne sinkt tiefer, es wird schattig und richtig kalt im Büro. Der Arbeitstag ist vorbei und Anita und ich fahren in verschiedene Richtungen mit den kleinen Tuktuks nach Hause.

 

 

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Ein Kommentar zu Im Swasta Chulo Office

  1. EffiGerd sagt:

    Hallo Christa !
    Es hat etwas gedauert mich/uns im Blog anzumelden (meine erste Anmeldung in einem Blog), aber nun hat es geklappt 🙂 Es ist sehr interessant Deine Beiträge zu lesen, kann es mir so richtig bildlich vorstellen. Wir denken viel an Dich und wünschen Dir weiterhin eine erfolgreiche Zeit. Ich freue mich riesig, dass der Verkauf der Anhänger dazu beigetragen hat so einige rauchfreie Öfen zu bauen.
    Liebe Grüße von Pellworm
    Effi und Gerd

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