Smoke on the Island

Ich habe Euch versprochen, Meldung zu machen, wenn wir auf den Andamanen auf offenes Feuer treffen. Wir hätten mit verbundenen Augen herumlaufen müssen, um es zu übersehen, und selbst dann hätten wir es riechen müssen. Nachdem also nun geklärt ist, dass das weltweit verbreitete Übel auch auf diesen indischen Inseln anzutreffen ist, kann ich zunächst ein wenig von unserer Reise berichten und später zu den Einzelheiten kommen.

Wie immer nach Ankunft in einem Land, war eine der ersten Unternehmungen die Beschaffung einer SIM-Karte. Dazu besuchten wir schon in der Hauptstadt Port Blair die Zentrale der Telefongesellschaft BSNL. Die Idee war, über ein Internet-Bundle im Telefonnetz zuverlässig Zugang ins www zu erhalten, da WiFis auf den Inseln eine selten anzutreffende unzuverlässige Spezies sind. Für indische Verhältnisse verlief die Abwicklung schnell und unkompliziert. Schon nach einer Stunde erhielten wir die neue Karte und das Versprechen, sie werde am Abend freigeschaltet. Das war am Freitag. Am Samstag war die Karte – welche Überraschung – noch nicht aktiv. Natürlich ist die Zentrale am Wochenende zu, so dass wir uns in Geduld fassen mussten. Am Montag würde sie sicher gehen.

Montag morgen um 7 Uhr verließ unser Bus in den Norden die Hauptstadt und spuckte uns am Nachmittag in Rangat, einem kleinen Ort in Middle Andaman, wieder aus. Die SIM-Karte war immer noch tot, hier eine Filiale der Telefongesellschaft zu erwarten, wäre jedoch vermessen gewesen. Tags darauf mit dem Frühbus (5:30) nach Diglipur im Norden. Dort gibt es ein Büro von BSNL, nur war heute Feiertag. Da wir nicht ständig hinter der v… Karte herrennen können und wollen, lassen wir den nächsten Tag in dieser Hinsicht ungenutzt und konzentrieren uns lieber auf den Besuch von Smith und Ross Island, die uns zum ersten Mal den Eindruck palmenbestandener Strände auf tropischen Inseln vermitteln.

Inzwischen ist es Donnerstag und wir sind immer noch von der Außenwelt abgeschnitten, ein Zustand, an den wir uns allmählich gewöhnen. Heute bringt uns der Frühbus ein Stück zurück nach Süden in das verschlafene Städtchen Mayabunder und hier erleben wir die geballte Hilfsbereitschaft des örtlichen BSNL-Personals. Ein Kundenbetreuer und zwei Techniker mühen sich zwei Stunden lang ab, unsere SIM-Karte zum Leben zu erwecken: Karte im Techniker-Handy: funktioniert. Karte vom Techniker in unserem Handy: funktioniert. Kurz: alle Kombinationen gehen, nur die neue Karte in unserem Handy nicht. Was sagt die Zentrale auf dem Festland? “There might be a problem with recent BSNL cards in Galaxy S3 smartphones, but only on Andaman Islands”. Gibt’s denn das? Genau das ist unsere Kombination! Auch der letzte Versuch, eine neue Karte, bringt keinen Erfolg. Wir bleiben, auch für den Rest unseres Aufenthalts, isoliert.

Nun ist aus dem Reisebericht erst einmal eine Erzählung über die Tücken indischer Kommunikationstechnik geworden. Das erklärt aber vielleicht, warum wir über zwei Wochen von der Bildfläche verschwunden waren. Andererseits sind wir aber auch zunächst von den Berichten über die schrecklichen Ereignisse in Deutschland verschont geblieben. Die Realität hat uns dann noch rechtzeitig zu Weihnachten eingeholt.

Nach Mayabunder und den ersten erfolgreichen Versuchen, tropische Traumstrände zu finden, haben wir dann einen Wechsel der Verkehrsmittel vorgenommen und uns hauptsächlich auf Fähren wieder Richtung Süden vorgearbeitet, was sich als die wesentlich bessere Wahl herausstellte: Besser Schaukeln als Schütteln. Bei unserer nächsten Station, Long Island, kamen wir konkret ins Gespräch zum Thema Öfen: Long Island hat ein paar hundert Einwohner und zwei Übernachtungsmöglichkeiten für Touristen. Eine davon namens Blue Planet hat Hillary, eine Britin, im Stil eines Dschungelcamps mit Bambushütten aufgebaut. In der Küche findet man den inseltypischen Lehmofen, der mangels Kamin den Rauch ungehemmt in den Innenraum bläst, was dem Koch in der Vergangenheit auch schon einmal eine monatelange Zwangspause wegen chronischer Augenentzündungen bescherte. Diese Situation ist representativ für die meisten Haushalte auf der Insel. Aufgrund der Abgeschlossenheit wäre die Insel ein ideales Labor für ein Pilotprojekt. Hillary hat angeboten, Unterkunft zur Verfügung zu stellen. Nun bräuchten wir nur noch einen reise- und unternehmungsfreudigen Ofenbauer …

Havelock Island ist das Gegenprogramm zum abgeschiedenen Long Island. Auf dieser Andamanen-Insel ist der Tourismus am weitesten entwickelt und man trifft auch wieder auf Reisende, die nicht aus Indien kommen. Viele Ressorts und Restaurants warten auf Besucher. Das hat seinen Grund, denn hier findet man traumhafte Strände in größerer Anzahl. Sie sind praktischerweise durchnummeriert. Wir wohnten an Beach Number 5 und genossen einen traumhaften Sonnenuntergang an Beach Number 7.

Zum Schuss sei noch angemerkt, dass das Bargeld-Problem, das die Regierung Modi mit der kurzfristig erklärten Ungüligkeit der 500- und 1000-Rupien-Noten geschaffen hat, auch uns einiges Kopfzerbrechen bereitet hat. Während unseres Aufenthalts konnte man nicht mehr als 2000 Rupien pro Tag und Karte aus dem Automaten ziehen – wenn er denn nicht leer war. Lange Schlangen vor den ATMs waren die Regel. Von dem von der Regierung großspurig erklärten bargeldlosen Zahlungsverkehr war nichts zu spüren. Selbst die staatlichen Hotels akzeptierten nur Banknoten. Wenn wir nicht dank unserer Freunde in Nepal einen Vorrat an indischen Rupien mit ins Land gebracht hätten, wären wir einige Male ziemlich auf dem Schlauch gestanden.

Viele Menschen auf den Andamanen sind nicht gut auf die Zentralregierung zu sprechen, nicht nur wegen der jüngsten Aktion. Die Inselgruppe hat keine lokale Autonomie sondern wird direkt aus Delhi verwaltet. Die Entfernung scheint die Wahrnehmung der örtlichen Besonderheiten und Probleme stark zu behindern. Die Unzufriedenheit ist überall spürbar.

161210_1130_cellular_jail

Cellular Jail – Sehenswürdigkeit aus der Kolonialzeit in Port Blair

161212_1030_turtle_beach

Staatliches Hotel in Diglipur – überall die gleiche Architektur

161211_1236_naechste_faehre

Autofähre zwischen den Inseln

161213_1035_smith_island

Smith und Ross Island – durch eineSandbrücke verbunden

161214_1550_karmatang_beach

Erste Andeutung von tropischem Strandleben am Karmatang Beach

161215_1425_blue_planet

Blue Planet auf Long Island

161217_1156_blue_planet

Küche des Blue Planet

161218_0639_long_island

Morgens auf Long Island

161217_1014_long_island

Fähre nach Havelock

161212_1110_turtle_beach

Auf der Suche nach dem Abendessen

161219_1038_beach5

Beach No 5

161219_0943_beach5

So haben wir uns das vorgestellt

161219_0652_beach5

Morgens an beach no 5

161219_1645_beach7

Beach No 7

161219_1648_beach7

Sunset on beach no 7

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.