Kakamega Rain Forest

Die Wenigsten wissen (ich bisher auch nicht), dass vor der Kolonialzeit große Teile Kenias von dichtem Regenwald bedeckt waren. Angeblich soll es hier sogar Gorillas gegeben haben. Dann aber kamen die Briten, die bekanntlich nachmittags Tee und keine Bananen zu sich nehmen, holzten die Wälder ab und legten an ihre Stelle Teeplantagen an. Die letzten Reste des Regenwalds sind in der Nähe von Kakamega, nördlich von Kisumu zu finden.

Die Mehrheit der ausländischen Besucher besucht in Kenia die Savannen um Elefanten und Löwen zu sehen oder brät an den Stränden, daher ist es nicht verwunderlich, dass der Tourismus in Kakamega noch nicht so recht Fuß gefasst hat. Die Auswahl an Hotels oder Ressorts ist begrenzt. Weiße Gesichter sind auf der Straße nicht anzutreffen. Bei der Ankunft im Sheywa Guesthouse begrüßt uns neben einem kräftigen Gewitter ein tropfnasser, unglücklich dreinschauender Marabu. Als ich ihn ein paar Stunden später wieder treffe, ist er wieder trocken, sieht aber trotzdem nicht fröhlicher aus.

Am Eingang zum Kakaamege Rainforest Park werden wir äußerst freundlich von einer entspannten Rangerin vom Kenya Wildlife Service empfangen. Schnell stellt sich heraus, warum sie so wenig gestresst ist: Seit drei Tagen sind wir die zweiten, die hier einfahren. Kurz vor uns ist Jessica aus den USA durchgekommen. Um es vorwegzunehmen: Es wird uns nicht gelingen, sie im Park zu treffen.

Durch den Wald führen ein paar Pisten und viele Trails. Zunächst steuern wir mit dem Auto eine Aussichtspunkt auf einem Hügel an. Es ist immer gut, sich zunächst Überblick zu verschaffen. Am Fuß des Hügels stellen wir das Auto ab. Dann müssen wir eine Viertelstunde schwitzen (26 Grad, 100% Luftfeuchtigkeit). Die Kuppe des Hügels ist dicht bewachsen, was für den Rundumblick hinderlich ist. Einst gab es hier eine Aussichtsplattform, aber die ist abgebrannt. Es bleibt die Freude an sinnfreier körperlicher Bewegung.

Um den südlichen Teil des Walds zu erreichen, folgen wir einer Piste, die nach wenigen Minuten von einem umgestürzten Baum blockiert ist. Macht nix. Wald ist Wald. Wir entscheiden uns für einen der vielen Trails im Nordteil.

Der Pfad ist schmal, mit der Machete (Panga) ausgeschlagen, links und rechts von dichtem Grün eingesäumt. Fremdartige Geräusche, ab und zu Rascheln im Unterholz oder über uns in den Wipfeln. Zu sehen bekommen wir nur wenig. Dazu ist das Grün zu dicht und sind die Tiere zu schnell. Trotzdem stellt sich Afrikaforscher-Gefühl ein. Wir stellen uns vor, wie sich Livingston hier vor ein paar Jahren durchgekämft hat, immer den nächsten Baum vor der Nase, der Horizont auf etwa 10m begrenzt. Kein Wunder, dass er die Nilquellen nicht gefunden hat. Dass wir immer wieder über umgefallene Bäume klettern müssen, verstärkt nur den Expeditionseindruck. Die Parkverwaltung kann offensichtlich nicht mit der Dynamik des Regenwalds mithalten. Aber: perfekt ist langweilig. Wir genießen es und sind froh, dass der Weg so schön freigehauen ist, fast überall.

Am Parkausgang erwarten uns wieder das strahlende Lachen der Rangerin und ein Beurteilungsbogen. Mit Überzeugung verteilen wir Bestnoten. Es wird aber noch etwas dauern, bis ausreichend Bögen zur Auswertung zusammen sind.

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Marabu im Guesthouse

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Pfad durch den Dschungel

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Tiere gab’s nicht so viele zu sehen …

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… aber Pflanzen!

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Wildnis

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Gehhilfe in der Wildnis

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Unordnung im Unterholz

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ich war auch dabei

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Eine Antwort auf Kakamega Rain Forest

  1. Reinhard sagt:

    Lieber Frank,
    es ist schön, dass du wieder im Blog in bewährter Manier aktiv bist. Ich hatte die Reisebeiträge schon vermisst. Es ist für mich ein besonderes Lesevergnügen literarischer Art. Die Schilderungen sind äußerst anschaulich, eindrucksvoll und stets spannend geschrieben. Und die Geschichten sind direkt aus dem Leben (des Vereins) gegriffen. Das macht sie besonders wertvoll, weil sie so die Aktivitäten in den Projektgebieten begreifbar machen und zugleich für die Nachwelt dokumentieren.
    Der Satz zu Livingstone ist ein kurzer Ausflug in die Kolonialzeit Kenias. Und er hat mich direkt berührt, weil ich als kleiner Bub durch die Erzählung über Stanley und Livingstone von Afrika total begeistert war. Mein erster Berufswunsch in diesem Alter war deshalb Afrika- und Tierforscher. Und ich habe mich nachweisbar nicht vollständig davon wegbewegt, weil ich immerhin Naturwissenschaftler geworden bin. Allerdings die spätere Hinwendung zur IT war natürlich ein totaler Interrupt, um es mal so auszudrücken…
    Ich wünsche euch weiterhin eine gute Reise und schöne Erlebnisse in Afrika.
    Viele Grüße Reinhard