Die Radlmacher e.V.

In den vergangenen zwei Wochen haben wir uns immer gefreut, wenn es mal zu Fuß durch die Gegend ging und die Strecken konnten uns gar nicht weit genug sein. Unsere Ofenbauer sehen das natürlich ganz anders. Sie sind oft einen großen Teil des Tages unterwegs von Haus zu Haus. Da sie nach Öfen und nicht nach Kilometern bezahlt werden, bedeutet das für sie auch geringeren Verdienst. Für uns als „Arbeitgeber“ ergibt sich daraus eine geringere Arbeitsleistung, gemessen in Öfen pro Woche.

Gründe genug also, etwas zu unternehmen: Hier in Kenia sind Fahrräder aus chinesicher Herstellung üblich. Im Hardware Shop in Nanyuki gibt es das Standard-Modell für 7500 Shilling, umgegerechnet etwa 70 Euro. Das Qualitätsniveau ist wie wir es von chinesischen Herstellern gewohnt sind. Besonders aufregend – für den Fahrer – ist die Bremsenkonstruktion. Über einen Stangenmechanismus mit vielen Gelenken und Umlenkpunkten wird die Bremskraft vom Handhebel zu den Bremsklötzen übertragen, die auf die Felge gepresst werden sollen. Leider kommt nach den Wegverlusten in den Gelenken nicht mehr viel Anpressdruck an der Felge an. Zum Glück gibt es hier wenig Berge und viel Auslaufplatz neben der Straße.

Die Fahrräder kommen vormontiert an, d.h. irgendwie ist alles so zusammengesteckt, dass es gerade nicht auseinanderfällt. Also habe ich erst mal einen Vormittag damit verbracht, an unseren 3 Fahrrädern Schrauben anzuziehen, Felgen auszurichten und Fett und Öl and die passenden Stellen zu bringen. Zum Glück ist im Research Center Werkzeug aufzutreiben. Mit dem „Bordwerkzeug“ wäre ich nicht weit gekommen. Aus zwei Luftpumpen konnte ich eine funktionierende zusammenbauen. Die dritte Pumpe soll nächste Woche kommen. An einem Fahrrad fehlte eine Speiche, es harrt also noch der Vollendung. Moses muss die Speiche in den nächsten Tagen besorgen. So geht das hier.

Noch ein paar Schmankerln über chinesische Wertarbeit? Gerne: Die Schrauben sind so weich, dass es die Sensitivität eines Schraubenflüsterers braucht, um nicht gleich bei der ersten Berührung den Kopf zu zerstören. Die Schlitze sind oft so eng, dass allenfalls eine Rasierklinge reinpasst. Die Größe der Muttern variiert kontinuierlich. Welchen Schlüssel nimmt man für eine Mutter der Größe 10,2? Ich möchte hier keinen Fahrradladen aufmachen.

Aber es gibt auch Positives zu vermerken: Der Gepäckträger ist darauf ausgelegt, den Hausrat einer Familie zu transportieren. Die extrem stabile Konstruktion wird vermutlich das letzte sein, was am Ende der Lebensdauer übrig bleibt. Die Nutzlast bringt viel Gewicht auf die Hinterachse. Vorsichtshalber ist daher auf den Reifen eine präzise Anweisung zum Luftdruck angebracht: „Inflate hard“

Morgen früh machen wir uns auf nach Uganda. Manfred in Luwero hat zwar Internet (er ist gelegentlich in Facebook präsent), wir wissen aber nicht, wie viel wir daran partizipieren können. Wenn es geht, wollen wir uns natürlich von dort melden.

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Ein Kommentar zu Die Radlmacher e.V.

  1. Gerhard Dengler sagt:

    Liebe frakat, wir lesen Eure Berichte mit sehr großem Interesse und freuen uns über die Lösungen Eurer Probleme. Ganz besonders hat uns die Vorstellung entzückt, dass Ihr in einem sicheren Kral sitzt, umgeben von gaffenden Schimpansen, die Euch hoffentlich ein bisschen füttern, weil sie wahrscheinlich nicht wissen, dass das wegen Eurer sensiblen Innereien verboten sein wird. So tragt Ihr die Verantwortung selbst. Aber wenn Ihr wegen ungewohnter Affenkost unpässlich werdet, so könnt Ihr das auf chinesischen Velos ohne Helmpflicht, und daher mit viel Sauerstoffzufuhr, wieder wegstrampeln, auch wenn’s hart ist, besonders hinten. Wie dem auch sei, wir fühlen mit Euch und freuen uns auf weitere Berichte. Eine gute und interessante Reise nach Uganda wünschen wir Euch zudem. Nebenbei: Hier versäumt Ihr nichts. Unser Wetter ist sensationell besch…, all day long. – Liebe Grüße – helger.

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